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Die neuen Psychotherapierichtlinien sind ab 1.4.2017 in Kraft gesetzt. Was ist für Sie als Hilfesuchendem wichtig?

Einführung der sogenannten “psychotherapeutischen Sprechstunde”

Gesprochen haben Psychotherapeuten ja schon immer. Jetzt aber dient diese neue Leistung der Beratung – nicht der Behandlung. Sie soll eine Orientierung geben, ob und welche Hilfen für den Ratsuchenden in Frage kommen. Danach sollten Sie wissen, ob bei Ihnen eine Indikation zu einer Psychotherapie besteht oder ob beispielsweise das Aufsuchen einer Beratungsstelle (hier würden Sie erneut beraten aber auch kurzfristig begleitet) ausreichen könnte oder aber eine stationäre Behandlung empfehlenswert ist. Diese Einschätzung ist durchaus subjektiv und sollte mit Ihnen gemeinsam  entwickelt werden. Sie können auch mehrere Therapeuten beratend in Anspruch nehmen.

Diese Leistung, die Ihre Krankenversicherung zusätzlich Geld kostet, soll die Versorgung psychisch Kranker verbessern. Indem Sie sich über die zur Verfügung stehenden helfenden Institutionen informieren und beraten lassen. Das ist gut. Die Sprechstunde soll aber auch die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz verkürzen. Versprochen wird gesetzlich ein Termin innerhalb von vier Wochen, was bei jedem anderen Facharzt zeitnah mit einer Behandlung verbunden sein sollte. Nicht versprochen ist damit aber eine psychotherapeutische Behandlung innerhalb von vier Wochen! Wenn dies auch für die Psychotherapie gelten würde, dann hätte man zusätzlich hunderte Stellen für die kassenärztliche psychotherapeutische Versorgung ausschreiben müssen. Dies ist nicht geschehen und legt nun den Verdacht nahe, dass mit dieser Sprechstunde ein Etikettenschwindel betrieben wird, in Wahrheit Geld gespart und die Versorgung nicht verbessert sondern nur auf Effiziens getrimmt werden soll. Denn im Anschluss an die Sprechstunde kann eine Behandlung, sofern sie notwendig ist, natürlich auch wie bisher von den meisten Therapeuten nur mit langer Wartezeit angeboten werden. Es sei denn, möglichst viele Patienten können an andere Institutionen verwiesen werden und “brauchen” gar keine Psychotherapie. Das trifft nach meiner achtzehnjährigen Praxiserfahrung eher auf wenige Ausnahmen zu. Die Wartezeiten werden sich nun im Gegenteil noch verlängern, da alle Psychotherapiepraxen zwei Sprechstunden pro Woche anbieten müssen und entsprechend weniger Zeit für die Behandlungen zur Verfügung haben.

Dennoch begrüße ich grundsätzlich die Einführung dieser psychotherapeutischen Beratungsleistung, die man übrigens auch besser genau so benannt hätte. Denn: ja, gesprochen haben wir schon immer.

Leider kann ich aktuell kurzfristig keine weiteren Sprechstundentermine mehr anbieten. Versuchen Sie es bitte nach den hessischen Sommerferien wieder.

 

Burnout:

„Burnout“ ist zwar keine Diagnose, aber eine gelungene Beschreibung einer psychovegetativen Erschöpfung in einer Kultur der Leistungsorientierung, der stetigen Leistungsverdichtung im Berufsalltag und Beschleunigung auch der privaten Lebensumstände. Der Begriff trägt wesentlich zur Entstigmatisierung psychischer Störungen bei. Gemeint ist eigentlich eine sogenannte reaktive psychische Störung, eine Reaktion auf eine besondere Belastung, ohne die eine solche Störung nicht aufgetreten wäre. Oft verbirgt sich dahinter allerdings eine depressive Erkrankung. Und auch dabei gilt: es finden sich so viele Formen von Depressionen, wie es Menschen mit Depressionen gibt. Durch Offenbarungen von Personen des öffentlichen Lebens in jüngster Zeit sind die Begriffe Burnout und Depression populär und besprechbar geworden. Diese Entwicklung kann man nur begrüßen. Dabei werden die Unterschiede insbesonder der Krankheitsentstehung natürlich nicht immer deutlich. Die Differenzierung zwischen beiden Krankheitskonzepten oder Diagnosen ist für eine Behandlungsindikation- und planung jedoch wichtig.

Störungen im Kontext besonderer Sexualpräferenzen:

Jüngste kommerzielle Erfolge in der Literatur verdeutlichen das zunehmende Interesse an sadomasochistischen sexuellen Neigungen und deren zunehmende Akzeptanz in westlichen Gesellschaften. Die Stigmatisierung von Menschen mit solchen oder anderen Sexualpräferenzen (BDSM, Homo-, Transsexualität…) ist dennoch weiterhin spürbar. In nicht wenigen Ländern, selbst in Europa werden manche sexuelle Neigungen noch immer strafrechtlich verfolgt. Besondere Belastungen sind aber auch in Deutschland nicht selten. Im Kontext besonderer Sexualpräferenzen können beispielsweise Störungen durch Unverständnis des sozialen Umfeldes, Ängste vor einer Entdeckung der Neigung oder Konflikte mit anders orientierten Sexualpartnern entstehen. Sich in einer Psychotherapie zu offenbaren, löst oft die Angst aus, der Therapeut könnte nicht am persönlichen Konflikt arbeiten wollen, sondern beispielsweise die sexuelle Neigung selbst in Frage stellen, pathologisieren oder gar eine Diagnose wie “sexuelle Perversion” stellen. Es gehört zu unserer therapeutischen Grundhaltung bewertungsfrei und empathisch mit jeder Lebensart und jeder Vorliebe – auch den sexuellen – umzugehen.