Psychotherapeutische Verfahren

Unterschiede der psychotherapeutischen Verfahren – eine unvollständige Übersicht

Verbale und Nonverbale Verfahren

Nonverbal heißt, die Grundlage des Dialogs wird durch „Medien“ wie Musik (siehe Musikpsychotherapie), Kunst oder den eigenen Körper gebildet, was nicht bedeutet, dass keine Gespräche dabei geführt werden. Steht das Gespräch im Vordergrund, sprechen wir von einem verbalen Verfahren oder allgemein von Gesprächspsychotherapie.

Richtlinienverfahren

Die drei Richtlinienverfahren, die Psychoanalyse, die tiefenpsychologische Psychotherapie und die Verhaltenstherapie sind verbale Verfahren und nach Beurteilung des wissenschaftlichen Beirats und dem Gutachterausschuss der Ärzte und Krankenkassen wirksam. Deshalb werden sie von den gesetzlichen Krankenkassen bei entsprechender Qualifikation und Kassenzulassung des Therapeuten bezahlt. Der Umkehrschluss, andere Therapieformen seien unwirksam, darf hieraus keinesfalls hergeleitet werden. Auch die drei Richtlinienverfahren sind in den letzten Jahren enorm durch andere nicht anerkannte Verfahren belebt und bereichert worden.

Die allgemeine Tendenz in der Weiterentwicklung der Psychotherapie ist ein Zusammenwachsen und Kombinieren verschiedener Ansätze. In der jüngeren Psychotherapieforschung wird mehr und mehr deutlich, dass nicht nur das psychotherapeutische Verfahren sondern die Kompetenz und Persönlichkeit des Therapeuten für den Erfolg einer Therapie entscheidend sind.

Psychoanalyse, tiefenpsychologische Psychotherapie

Die Psychoanalyse und die tiefenpsychologische Psychotherapie stützen sich auf eine gemeinsame Krankheitslehre: Unter der Annahme eines „Unbewussten“, d.h. dem willentlichen Denken, Handeln, Fühlen nicht zugänglichen, teils intuitiven (neurowissenschaftlich: subcortikalen) Prozessen, wird aus biographischen und entwicklungspsychologische Zusammenhängen ein „unbewusster neurotischer Konflikt“ als Arbeitshypothese angenommen und im Rahmen der Therapie anhand der Durcharbeitung aktueller Konflikte bewusst gemacht. Oder einfacher: das Erlebte, besonders das in der Kindheit erlebte hat heute Folgen; viele der häufig wiederkehrenden Störungen haben ihre Wurzeln in Erfahrungen, die unserer Erinnerung nicht mehr zugänglich sind und werden in einem aktuellen Kontext „geweckt“.

Anders und weniger krankheitsorientiert kann man eine psychische Störung so verstehen: Ein irgendwann im Leben „entworfenes“ emotionales Reaktionsmuster, ähnlich einem intuitiven Bewegungsmuster, passt nicht mehr auf eine neue Lebenssituation und kann nicht angepasst werden. Wir werden älter, aber nicht reifer.

Während der Psychoanalyse im klassischen Sinn liegt der Patient und „assoziiert frei“ (redet, was ihm einfällt), der Analytiker sitzt und spricht nur wenig, mehr das Erzählen und die entstehenden Phantasien als der Dialog stehen im Vordergrund. Es finden 3-5 Sitzungen pro Woche statt, die Behandlung dauert Jahre.

Während der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie sitzen beide und befinden sich in einem stetigen Dialog miteinander. Es findet meist eine Stunde in der Woche statt, die Behandlung kann ebenfalls Jahre dauern. Manchmal genügen auch 20-50 Stunden, wenn sich die Behandlung auf ein klar umrissenes Konfliktfeld beschränken kann.

Verhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie wird angenommen, dass einmal erlerntes Verhalten durch gezieltes Training auch wieder verlernt oder umgelernt werden kann. Entsprechend beziehen sich die Behandlungsansätze sehr viel unmittelbarer auf die spezifische Störung, weniger auf die gesamte Lebenssituation und deren Erleben bzw. auf bereits Erlebtes, also die Biographie.