FAQ

Frequently Asked Questions – häufig gestellte Fragen – oder: Was Sie schon immer über Psychotherapie wissen wollten und sich Ihnen keiner zu sagen traute…

 PSYCHOTHERAPIE- Ich bin doch nicht verrückt! Bin ich verrückt?

Verrücken können wir Schränke und Zeiger – oder eben auch Köpfe („Wer rückt mir den Kopf wieder gerade?“). In der Tat entstammt der Ausdruck der Uhrmachersprache („Der tickt nicht mehr richtig, die hat eine Schraube locker“) und war in Zeiten eines mechanistischen Weltbildes auch für die Funktion des Gehirns und der Psyche ein gern verwendeter Begriff. Heute ist „Verrückt“ eher ein Schimpfwort oder auch Ausdruck für eine akute Psychose, einer psychischen Störung mit partiellem oder totalen Realitätsverlust, bei der Psychotherapie im engeren Sinne allerdings als Akutbehandlung nicht möglich ist. Hier müssen i.d.R. Medikamente und auch stationäre Hilfe zum Einsatz kommen.

Das Klischee: Psychotherapie? Muss ich mich da auf die Couch legen…

…und ein alter Mann mit langem Bart schläft ein während ich von meinen innersten Nöten erzähle? Nun, sollte Ihnen oder dem Therapeuten ein Bart wachsen oder jemand einschlafen während der Therapie, wäre noch nicht alles verloren, allenfalls Ihre Zeit. Im Ernst: all Ihre Ängste werden ernst genommen und können besprochen werden, auch Müdigkeit in Therapien ist ggf. ein Zeichen für eine innere Anspannung, die man tolerieren oder bearbeiten kann.

 PSYCHOTHERAPIE- ist das nicht ein Seelenstriptease?

Die Achtung von Schamgefühlen gehört zu den Selbstverständlichkeiten, zum Selbstverständnis einer psychotherapeutischen Behandlung. Nur der Patient kann entscheiden, wann er wem was erzählt. Ein einfühlsames Nachfragen kann nur zum Erzählen einladen, eine Atmosphäre schaffen, in der es möglich wird, sich schrittweise zu öffnen. Die Würde des Menschen ist unantastbar.

PSYCHOTHERAPIE – Werde ich da völlig umgekrempelt?

„Nichts passiert, was sie nicht wollen“, das ist ein Gebot, denn gegen ihren Willen ist ihnen wohl noch nie etwas Gutes geschehen. Psychotherapie heißt nicht, den Charakter oder die Persönlichkeit zu verändern, sondern andere Haltungen, Perspektiven, ein Umdenken zu ermöglichen. Allerdings geht es darum, an sich selbst, nicht an den Anderen, Möglichkeiten der Veränderung zu suchen. Auf die Anderen hat Ihre Psychotherapie nur indirekt Einfluss. Der einzige Mensch, den ein Therapeut ändern kann, ist er selbst.

 Ist ein Psychiater ein Irrenarzt?

Ja, denn Irren ist menschlich und der Irrenarzt hoffentlich auch. In Zeiten einer unmenschlichen verirrten Psychiatrie nannte man die Psychiatrischen Kliniken Irrenhäuser und die Ärzte Irrenärzte, eine für die PatientInnen selbst ebenso entwertende Bezeichnung wie für die ÄrztInnen. Seelenklempner klingt etwas netter und erinnert an die Zeit mechanistischer Vorstellungen von der Psyche (Schraube locker? – Vorsicht, nach fest kommt ab!)

Kann ich nicht viel besser mit einer guten Freundin über alles reden, die mich kennt?

Die Chance der Psychotherapie liegt gerade darin, dass der Therapeut nicht in Ihrem Alltag auftaucht und Ihnen unbelastet zuhören kann. Die „Abstinenz“ der Therapeutin bedeutet, sie nimmt keinen Einfluss auf Ihren Weg aus der Krankheit, sondern entwickelt eine Lösung mit Ihnen gemeinsam. Ihre Freundin hat, und Sie erwarten das vielleicht auch von ihr, einen Vorschlag, sprich eine eigene Vorstellungen, wie das Problem zu lösen sei. Genau das will und kann Psychotherapie nicht.

 PSYCHOTHERAPIE – Die Verwirrung der Verwirrten?

Ja, die Störung der Gestörten oder die Anregung der Regungslosen, die Bewegung der Festgefahrenen…usw. Ohne Störung keine Entwicklung, keine Chance auf eine Neuorganisation. Die Störung führt zur Therapie, die Therapie ist wiederum Störung. Verwirrt? O.K.

Auf Beerdigungen und beim Psychotherapeuten wird nicht gelacht!?

Im Leben wie in der Psychotherapie brauchen wir alle Sinne  – auch den „7.“ Und den „8.“: den Sinn für den Unsinn, den Nonsens statt des ewig angestrebten Konsenses. Sogar der leibhaftige S. (“St.”) Freud schrieb schon anno 1905 über den „Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“. Lachen macht gesund.

Psychisch krank – eine Willensschwäche?

“Man muss nur mal gegen sich gehen –Psychotherapie ist doch eher was für Warmduscher!” – Eine „kalte Dusche“ sollte Psychotherapie sicher nicht sein. Aber kritisches, konstruktives Hinterfragen in einer vertrauensvollen Beziehung und Atmosphäre kann hilfreich sein. Wer psychisch Kranke als willensschwach bezeichnet, hat nur insofern Recht, als die Krankheit offenbar stärker ist als der eigene Wille. Da nutzt das Gegensichgehen am allerwenigsten. Das Mitsichgehen, mit sich im Einklang sein, führt weiter, wenn auch das Ziel sich dabei verändern mag und das wiederum anderen nicht passt!

Wird meine Familie, werden meine Freunde akzeptieren, dass ich Psychotherapie mache und Veränderungen mittragen?

Oftmals wird es gerade von nahen Angehörigen insbesondere Partnern als problematisch empfunden, wenn sich jemand einer Psychotherapeutin anvertraut und dort eine menschliche Nähe in einem professionellen Rahmen entsteht. Manche reagieren mit Neid und Eifersucht. Auch die veränderten Haltungen, die sich in der Regel im Laufe einer psychotherapeutische Behandlung einstellen, können zunächst zu Irritationen bei den Menschen, die Sie umgeben, führen. Das ist auch nachvollziehbar, denn es sollte Auswirkungen haben, wenn Sie sich verändern. In der Regel stellen sich Ihre Mitmenschen schnell auf Sie und Ihre Veränderung ein, insbesondere wenn spürbar wird, dass es Ihnen besser geht.

Die Scham: Was passiert, wenn mich jemand sieht, wenn es meine Arbeitskollegen erfahren…?

Zunächst geht es niemanden etwas an, ob, wie oder warum Sie sich Hilfe holen. Oft ist es sinnvoll, über eine psychotherapeutische Behandlung zu schweigen, denn auch heute noch werden psychisch kranke Menschen stigmatisiert, d.h. voreingenommen verurteilt. Das geschieht oft aus Angst, sich mit dem Thema “psychische Erkrankung” und den eigenen inneren Konflikten zu beschäftigen. Allerdings behindert die Scham auf allen Seiten die Weiterentwicklung eines Verständnisses, eines Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins für psychische Belastungen. Dabei ist Psychotherapie so alt wie die Menschheit und seit über 50 Jahren anerkannte Krankenkassenleistung. Oft wird der Mut zum „Bekenntnis“ mit viel Verständnis und Erleichterung aufgenommen und es entstehen erstaunlich gute und offene Gespräche.

Schließlich ist die ständige Zunahme der psychischen Erkrankungen in Deutschland neben problematischen gesellschaftlich-kulturellen Entwicklungen wesentlich durch eine verbesserte Diagnostik und aber vor allem dem Mut der Betroffenen, sich ihrer Erkrankung zu stellen, verursacht.

Arztbewertungsportale: hier werden Sie geholfen?

Es gibt meines Wissens bisher kein validiertes Bewertungssystem für Ärzte, welches auch nur im Ansatz Orientierungshilfen wie etwa bei einem Einkauf über Ebay bieten könnte. Persönliche Empfehlungen helfen auch nur bedingt. Suchen Sie sich den Therapeuten, der zu Ihnen passt, am besten selbst aus. Gerade psychisch angeschlagene Menschen haben oft eine erstaunliche Intuition und können ihr Gegenüber gut einschätzen. Sie sollten sich trauen!